Spendenfahrt Neuss – Dover

5.August.2014

Spendenfahrt Neuss-Dover

 

Hier eine kleine „Berichterstattung“ wie es denn nun eigentlich war 700 km durch 5 Länder in 6 Tagen zu fahren.

Es war, trotz Anstrengung, einfach eine ganz tolle Erfahrung!

Ich kann nur jedem empfehlen so etwas auch einmal zu versuchen. Man muss ja nicht, wie wir, gleich über 100 km am Tag fahren.

Du siehst so vieles, das Dir im Auto komplett verborgen bleibt. Zudem wird man viel durchlässiger, was neue Eindrücke betrifft. Unterkünfte sind, wenn man etwas sucht, gut zu finden und zumeist günstig. Hostels, Pensionen und Zeltplätze gibt es überall. Man kann natürlich vorher trainieren, aber eine gewisse Grundfitness reicht aus.

 

70;- € gehen von uns jetzt an die Kinderkrebsklinik (für jeden gefahrenen Kilometer 10 Cent).Vielleicht hast Du ja auch mal etwas über! Alles hilft!

Elterninitiative Kinderkrebsklinik e.V. – Bunzlauer Weg 31 – 40627 Düsseldorf

www.kinderkrebsklinik.de

 

 

Etappe 1: Neuss (D) – Roermond (NL)

 

Wir rollen bei Nieselregen aus Neuss, 2 vollbepackte Fahrräder mit Zelt (für den Notfall) und

einem groben Fahrplan auf einem Blatt Papier. Internationale Radkarten sind schwer zu bekommen. Richtung Grevenbroich geht es vorbei am Tagebau in Garzweiler und  an den südlichen Stadtteilen von Mönchengladbach. Schön ist irgendwie anders, zweimal drängen uns hier Autos ab. Tiefpunkt: einmal verlangsamt ein tiefergelegter Opel „Proletariat“ neben uns, jemand brüllt etwas aus dem Fenster…Gelächter…quietschender-Reifen-„Alarm-für-Cobra-11“-Tribute-Start…Stille…Grillenzirpen…was war denn das? Egal, weiter!

Wir erreichen Roermond am Abend und sehen uns in einer Scheune das Weltmeisterschafts-Endspiel an, das uns den kommenden Tagen noch viele Kommentare einbringen wird (“Suuuuper gespielt!“).

 

Etappe 2:  Roermond (NL) – Lommel (B)

 

In Roermond endet unser, vorher schon spärliches vorhandenes, Kartenmaterial. Mit viel Fragen und einem Flandernführer schaffen wir es mit ordentlich Gegenwind (kann wirklich die Hölle sein) im Zick-Zack Kurs bis in die belgische Kleinstadt Lommel. In einem großen Sportcenter frage ich nach, ob es eine Pension gibt.                             Der Hausmeister ist sehr hilfsbereit, spricht aber nur niederländisch. Das spreche ich so gut wie afrikaans, nämlich gar nicht…

Aber hier fällt mir auch wieder auf, wie viel Mühe Leute sich mit einem Wildfremden geben, wenn dieser um Rat und Hilfe fragt. Mit seiner Hilfe finden wir eine kleine Pension am Stadtrand, geführt von einem Rentnerehepaar. Grossartig! Der Pensionsbesitzer erzählt mir am kommenden Morgen von einem deutschen Vater, der mit seinen Söhnen übernachtet hat. Er hatte eine Woche nur Regen auf seiner Fahrradfahrt.

Na denn…weiter geht es!

 

Etappe 3: Lommel (B) –Antwerpen (B)

 

„Wenn Du keinen Plan hast, such Dir einen Fluss“ (alte Indianerweisheit)                                                                           Da wir keine Radkarten für Belgien haben, folgen wir bis auf weiteres dem Rat unseres Pensionsbesitzers, nämlich immer am Fluss entlang. Der soll uns am Ende des Tages nach Antwerpen führen.So langsam bekommen wir auch heraus, dass Belgien ein wirklich fantastisches Radland ist. Man kann sich an sogenannten Knotenpunkten orientieren. Diese sind über das ganze Land verteilt, führen zu allen Sehenswürdigkeiten und sind sehr gut ausgeschildert. Es gibt ca. 6 Karten in denen die Knotenpunkte verzeichnet sind, damit hat man alles im Griff…ok. fahren muss man schon noch selbst. Wir werden auch ständig von Rennrad-Gruppen in einem Affentempo überholt. Die Trainingsmöglichkeiten sind hier einfach sehr gut.

Irgendwo in der Mitte des Kanals „dessen-Name-mir-gerade-nicht-einfallen-will“ halten wir an einem alten Bootshaus. Auf meine Frage, ob es ein Cafe oder einen Kiosk gibt in der Nähe, lädt uns der etwa 100jährige Verwalter auf einen belgischen Kaffee ein. Gastfreundschaft, wohin man auch schaut. Das Gespräch kommt zwar irgendwie nicht so richtig in Gang, das ist aber der Sprachbarriere geschuldet. Nach einer halben Stunde funktionieren die Beine wieder.

Weiter geht es über Turnhout (ja, das gibt es!) nach Antwerpen, das wir am Abend erreichen. Um das Hostel zu finden, schalte ich kurz vor Antwerpen das GPS ein…und das sucht dann aber auch gnadenlos die kürzeste Strecke heraus. Da geht es schon mal durch Gegenden wo ich nachts nicht mehr sooo unbedingt Zeit verbringen würde… Aber das Hostel ist gut gelegen und wir erreichen es gegen 21°° Uhr, also alles gut.

Etappe 4: Antwerpen (B) – Gent (B)

Wir rollen bei perfekten 20°° aus Antwerpen. Hier heraus zu finden ist trotz Karte nicht ganz so leicht. nach einer Irrfahrt durch ein Industriegebiet finden wir eine kostenlose Fähre, die uns auf die andere Seite der Schelde bringt. An diesem Fluss entlang geht es weiter nach Gent. Ich würde auch allgemein behaupten, dass etwa 5% der gefahrenen Kilometer sogenannte „Nee-hier-doch-nicht-komm-wir-drehen-wieder-um“- Kilometer sind, oder auch gerne die „Guck-mal-wären-wir-am-Fluss-geblieben-hätten-wir30-Minuten-gespart“-Kilometer! Das liegt daran, dass z.B. ein Schild durch einen Baum verdeckt wird oder einfach mal umgefallen ist oder plötzlich eine Baustelle auftaucht und der Radweg gesperrt ist. Das muss man einplanen und ist auch nicht schlimm, der Spaß hält sich nur nach über 100 Tages-km in Grenzen.

Eine eindrucksvolle Begegnung haben wir in einer kleinen Stadt auf dem Weg. Auf der Suche nach einer Pizzeria (alles zu) landen wir bei einem kleinen Schlachtereibetrieb. Der Besitzer hat nicht nur etwas zu essen für uns, er ist eine lokale Berühmtheit! Eine komplette Wand ist gepflastert mit Zeitungsausschnitten über ihn. Er läuft unter anderem Marathon und hat mehrere Gedichtbände herausgebracht. Der Mann besitzt eine solche positive Power-Aura, es ist nicht zu glauben. Jeder Satz wird mit einem Lachen serviert, auch der folgende (übersetzt):

„Ja klar habe ich etwas zu essen für euch, Lasagne frisch von heute Morgen. Aber glaube es oder nicht: Mir ist vor einer Minute die Hauptsicherung für den ganzen Laden rausgeflogen, unglaublich, oder?“ (extrabreites Grinsen!) „Setzt euch, ich mach das!“ Kurz: Die Lasagne war astrein und der Mann hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

Etwa 40 km vor Gent stehen wir in einer etwas größeren Stadt und haben den Weg komplett verloren. Da es jetzt nachmittags so um die 35°C wird, sind Umwege doch etwas anstrengend. Deshalb spreche ich eine Frau an, ob sie uns helfen kann. Sie kann leider nicht, aber: Aus voller Fahrt bremst ein junger Mann sein Hollandrad herunter und drängt uns seine Hilfe förmlich auf. Ob er uns an den nördlichen Stadtrand begleiten soll, da würde der Weg weitergehen? Ja, aber gerne doch! Auf dem Weg finde ich heraus, warum er uns unbedingt helfen wollte: Devi (so heißt er) hat 2013 halb Europa mit dem Fahrrad bereist. 6000 km durch u.a. Deutschland, Dänemark und Schweden, Griechenland, Italien, Kroatien. Er lädt uns auf eine Erfrischung ein und wir quatschen bei ihm zu Hause im Garten eine Stunde übers Radfahren und die verschiedenen Länder, die er besucht hat („Schweden war echt langweilig, immer nur Strasse, Strasse, Strasse. Kroatien: super!“). Sein 2000;- €-Trekking-Rad steht in der Garage, ich bin echt beeindruckt. Dass ich mein Raleigh-Rad gebraucht irgendwo für einen Hunni gekauft habe, kommt mir gerade etwas waghalsig vor, aber: es läuft, und darauf kommt es an. ;-)                                                                              Devi bringt uns an unseren Startpunkt nach Gent, das wir 21°° Uhr erreichen.

5. Etappe: Gent (B) – Brügge (B)

Eigentlich eine kurze Etappe (60 km), aber wieder bei ca 35°C. So kommen wir dann auch schon am Nachmittag in Brügge an. Leider bleibt die Unterkunft unauffindbar. Ich rufe an und erfahre, dass sie etwa 7 km ausserhalb der Stadt liegt. Als wir dort ankommen hält sich die Lust nochmal nach Brügge hineinzufahren in Grenzen.Da die Räder für die Nacht in einem Bootshaus eingeschlossen werden, machen wir uns zu Fuß auf in das nächste Dorf, wo es angeblich die einzige Pizzeria weit und breit gibt. Nach 1 km finden wir sie dann auch. Offen ist sie auch, es ist nur erst einmal keiner da. Das Gebäude wirkt auch nicht wie eine Pizzeria, eher wie eine Mischung aus Casino und Tanzsaal. Als der Besitzer dann auftaucht (und aussieht, als wenn er mit Kundschaft irgendwie gar nicht rechnet), bringt er uns erst einmal in den Keller (!) in eine Art düstere Kneipe.                                                                                    Auf meine Frage, ob wir nicht oben essen könnten, kommt die Antwort:“Yes, of course! Or maybe you want to sit outside?“ Hm-da-muss-ich-mal-etwas-drüber-nachdenken-ja!

Es folgt ein etwas merkwürdiges Geschäftsmodell: Die Pizza, die absolut fantastisch ist, essen wir an einem eilig hingestellten Tisch in einem vollgemüllten Hinterhof. In Deutschland wäre ich höchstwahrscheinlich gegangen. Hier finde ich es eigentlich nicht so schlimm. Aber jetzt weiß ich zumindest, warum der Laden leer ist….

 

6. Eappe: Brügge (B) – Calais (F)….na ja, fast!

Schlaf war wegen völlig überhitzter Zimmer übersichtlich in dieser Nacht. Mit Blick auf die letzte Karte sehen wir, dass wir heute über Oostende und De Panne Belgien verlassen werden. Irgendwo zwischen dem 3. Kaffee und der ersten Rast beschließen wir bis Calais durchzufahren. Was wir noch nicht wissen: Der Ritt endet 160 km weiter in Nordfrankreich um 23°° Uhr auf dem platten Land, mitten in einem Gewitter…                                                                 Bis dahin wird es aber erst einmal heiß. Das Thermometer klettert an diesem Tag bis auf 38,5° C, gemessen kurz hinter Oostende! Wenn man alle 45-60 Minuten eine Pause macht und vor allem trinkt, trinkt, trinkt, ist es aber zu schaffen. Oostende ist wie Mallorca, Riesenstrände, kilometerlange Promenaden und voll mit Menschen. Radfahren ist überall erlaubt. Nach knapp 80 km erreichen wir die französische Grenze. Ab hier wird es wirklich schwierig. Ohne Kartenmaterial fährt man grosse, direkte Verbindungen wie die routes nationales, das sind die mautfreien Strassen mit dem „N“ am Anfang, alle ohne Radweg! Die Franzosen fahren ohnehin, ich sag mal „sportlich“. Ein paar Mal zischen Autos im Zentimeterabstand und über 100 km/h schnell an uns vorbei. Da kriegt man Angst. Wir fahren nur die absolut notwendigen Kilometer dort und freuen uns als es etwas ländlicher wird.

Leider erwischt uns ca. 20 km vor Calais  das Gewitter. Auf dem platten Lande möchte man wegen Blitzeinschlägen nicht unbedingt der höchste Punkt in der Landschaft sein.

Was machen?                                                                                                                                                                                      Weiterfahren? Unmöglich wegen des viel zu starken Gegenwindes.                                                                                   Zelten? Hahaha, sehr schön…Nein!

Über das Navi versuche ich ein Hotel zu finden, finde eines auf der Strecke, die wir bereits hinter uns haben. Mit Rückenwind und nach 10 km in die Gegenrichtung stehen wir, mittlerweile im beginnenden Regen, in einem Örtchen in dem es nichts gibt…auch kein Hotel. Aber eine Kneipe, die so gerade eben noch offen ist. Der Wirt reagiert auf meine Nachfrage nach einem Hotel in der Nähe gelangweilt und in Zeitlupe. O.k. in Belgien hätte schon jemand sein Privathaus angeboten aber in Vive- la- France ticken die Uhren wohl anders. Ich soll warten, sagt er. Der Regen wird schlimmer und schließlich, nach 10 Minuten und mit 2 Telefonnummern in der Hand kommt der Wirt wieder und bucht uns ein Zimmer im 10 km entfernten Gravelines. Mittlerweile stürmt es richtig und der Wirt macht seinen Laden zu. Das Hotel erreichen wir patschnass im Dunkeln….was für eine Fahrt.

6.Etappe: Gravelines (F) – Margate (GB)

Es ist unglaublich, aber die 160 km vom Vortag mit der Panikfahrt durch das Gewitter sind so gut wie vergessen, denn: Das Ende ist absehbar! Bei Tag und Sonnenschein ist Nordfrankreich sehr schön und wir erreichen die Fähre schon gegen Mittag. In Dover geht es entlang der Küste erst einmal hoch auf die berühmten „white cliffs“. Der Aufstieg ist wirklich anstrengend, zudem gilt es sich auf den Linksverkehr einzustellen, aber oben angekommen ist die Aussicht wirklich spektakulär! Nach weiteren 60 km erreichen wir am Abend Margate, unser Endziel.

Neuss - Dover 2014 171

Danke fürs Lesen und bis bald!

Udo

Udo Klopke Band in Salzgitter

24.Juli.2014

Newsflash!

Am Sonntag, den 27.7.2014 spielen wir eine Show auf dem Altstadtfest in Salzgitter, open air! Wir springen ein für eine Band, die aus Krankheitsgründen leider nicht spielen kann. Los geht es um 16:00 Uhr auf der Klesmerbühne!

Spendenfahrt zu Gunsten der Elternkrebsklinik e.V. von Neuss (D) nach Dover (GB)

4.Juli.2014

FB Spendenfahrt

 

 

Ich werde mit meinem Sohn (15) in diesem Sommer von Neuss (D) nach Dover (GB) mit dem Fahrrad fahren. Am 13.7. geht es los. Die Tour wird uns durch 5 Länder führen: Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich und mit der Fähre über den Ärmelkanal nach Dover/England. Zur Dokumentation der Fahrtkilometer haben wir einen Fahrradtacho dabei. Die günstigste Strecke liegt zwar, laut Google, bei ca. 450 km, aber bei ähnlichen Fahrten haben wir gelernt lieber mal 50 % draufzurechnen…realistisch sind 700-800 km.Los geht es am 13.7., ankommen werden wir…am Tag unserer Ankunft! ;-) 7-10 Tage wird es ungefähr dauern.

 

Und es wird viel passieren, das ist einfach so. Wenn man, wie wir, die Strecke zwar grob festlegt, sich aber ansonsten von der Tagesform und dem Schwierigkeitsgrad der Strecke dirigieren lässt, passiert einfach unheimlich viel. Es wird unglaubliche Landschaften geben, tolle und weniger tolle Begegnungen, hoffentlich keinen Plattfuß und schon gar keinen Regen, und vieles, das man sich im Vornherein gar nicht vorstellen kann…und vielleicht auch nicht will.

Auf der Facebookseite “Spendenfahrt zu Gunsten der Kinderkrebsklinik e.V.”  https://www.facebook.com/#!/pages/Spendenfahrt-zu-Gunsten-der-Kinderkrebsklinik-eV/534960663298375?ref_type=bookmark werde ich die Tour bis zur Ankunft ein wenig dokumentieren, Fotos wird es erst im Nachhinein geben.

Für jeden von uns gefahrenen km spende ich 1 Cent an die Elterninitiative Kinderkrebsklinik e.V. in Düsseldorf (www.kinderkrebsklinik.de).

Die Elterninitiative Kinderkrebsklinik e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, krebskranken Kinder und deren Familien zu helfen. Sie organisieren (und bezahlen) psychische Betreuung für erkrankte Kinder, unterhalten ein Palliativ Team, unterstützen Forschung im Kampf gegen Krebs und vieles, vieles mehr. Als gemeinnützige Organisation sind sie dabei auf Spenden angewiesen.

 

Warum mache ich das?

 

Ich persönlich sammle keine Spenden ein. Ich möchte einfach darauf aufmerksam machen, dass es Kinder
gibt, denen es nicht so gut geht, die Krebs haben und einen Teil ihrer Kindheit im Krankenhaus verbringen müssen. Das kann Familien an den Rand der Belastungsgrenze bringen.Damit diese Familien entlastet werden, und krebskranken den Kindern ab und zu eine Freude bereitet werden kann, gibt es die Kinderkrebsklinik e.V..Ich unterstütze diese mit unregelmäßigen Aktionen und Spenden, und versuche darauf aufmerksam zu machen, dass es sie gibt.

Und: Ich habe 2 gesunde Kinder, dafür bin ich einfach dankbar.

 

Vielleicht hast Du ja auch Lust, Dich auf der Webseite der Kinderkrebsklinik zu informieren

und vielleicht hast Du ja auch mal ein paar Euronen über zum Spenden. Wie das geht erfährst Du auf der Webseite (www.kinderkrebsklinik.de). Die freuen sich da sehr, und eine Spendenquittung für die Steuer gibt es auch.

 

Danke fürs Lesen und bis bald!

Udo

„Sie verlassen jetzt Ihren persönlichen Wohlfühlbereich…bitte schnallen Sie sich nicht an!“

9.Mai.2014

 

- Leaving the comfort zone -

So dann und wann finde ich mich in Situationen wieder, bei denen ich denke: „Wie bin ich denn hier nur wieder hineingeraten?“
- Ich stehe plötzlich als Vorprogramm von Anne Haigis auf einer Bühne, so groß  wie eine Briefmarke, vor mir ein Raum voll mit Anne Haigis Fans, die mich gespannt anschauen, in der Hand nur meine  E – Gitarre, keine Band, die mich trägt…Schluck!
- Ich sitze im Orchstergraben des Musical Dome/Köln, spiele meine „First Show“. Das ist eine Art Test,  ob man das auch kann, so nach Noten und mit Dirigat. Nur: Normalerweise sitzt neben dem  „First Show“-ler  (also mir) der Hauptgitarrist, der einspringt, wenn die Nerven durchgehen oder der Kollege schlecht vorbereitet ist.
Denn: Es ist zwar ein Test, aber die Show ist  eine ganz normale.  400 Leute, die alle teuer  Eintritt bezahlt haben, sitzen jetzt unter uns und erwarten nichts weniger als eine perfekte Show, die schnurrt wie eine gut geölte  Maschine…während IN der Maschine dem kleinen Zahnrad 27b gerade der erste Schweißtropfen auf die Gitarre perlt, denn:  Neben mir sitzt gar keiner! Der Hauptgitarrist hat abgesagt („Du, ich find das irgendwie schwul, du machst das schon. Mach am besten gleich eine Doppelshow, dann biste auch drinne!“) Der Taktstock des  Dirigenten geht hoch und ich denke: „O.k., Augen zu…und auf! ;-)“
- Ich stehe morgens um 4°° Uhr in Indien vor einem schlecht gelaunten Immigrationsbeamten, der mir ein nuscheliges  „No!“ entgegen knurrt und mir meinen Reisepass (inkl. teurem Visum) wieder auf die Theke knallt. Einreise verweigert (siehe Blog weiter unten: „Gitarrenvertretung auf dem Traumschiff“).
Jedes Mal denke ich dann: “ Wieso stehe, sitze, laufe ich eigentlich hier? Zuhause war doch auch ganz schön.“
Ich glaube, dass da immer ein Mechanismus passiert, der automatisch einsetzt, wenn mir die Dinge zu  gewohnt werden. Der Alltag eines Musikers ist beileibe nicht langweilig, aber auch hier schleicht sich Automatisches ein, spielt sich Routine ab. Diese ist beim Bewältigen der Dinge des Alltags natürlich ansonsten sehr hilfreich. Nicht auszudenken wenn man jeden Morgen eine neue Kaffeemaschine bedienen müsste, ABER: Für einen Kreativen ist zu viel Routine nix.
Ich suche dann immer eine Herausforderung, oder bin aufmerksamer, was neuen Input betrifft, durchlässiger irgendwie. Und dann sage ich manchmal „Bin dabei!“ zu einer Anfrage, die ich normalerweise ablehnen würde.
(O.K. Ausnahme, neulich passiert: „Hi, hör mal, wir haben eine Wolfgang Petry Revival Band gegründet. Wir haben nur noch keinen passenden Sänger. Haste Lust?“…)
Meistens stoße ich aber genau dann eine neue Tür auf. Toll, neu und erhellend wird es allerdings immer erst  NACHDEM es einmal ordentlich ungemütlich wird. Umsonst gibt es schließlich nichts. Aber diesen Aufruhr, Zweifel, wie auch immer,  ist es im Nachhinein betrachtet fast IMMER wert. Man muss sich nur trauen.
Was soll ich sagen:
- Der Solo-Gig vor Anne Haigis hat mir die wichtige Erkenntnis gebracht, dass meine Songs zum großen Teil auch solo funktionieren…und hat viel Spaß gemacht.
- Die „First Show“ hat funktioniert. Ich bin zwar 2 Mal ausgestiegen, aber der Himmel ist mir auch nicht auf den Kopf gefallen. Ich habe die Show danach noch einige Male gespielt.
- Indien war unglaublich beeindruckend. Genauso wichtig wie von Zeit zu Zeit offen für  Neues finde ich im Übrigen, sich vom Ballast des Immer-Gleichen zu befreien. Nur Mut!
Gottogott, ich merke gerade, dass ich wie so ein Lebensberater daher schreibe. Ist nicht so gemeint, mir war da nur etwas aufgefallen.
Danke fürs Lesen und bis bald!
Udo
Foto: Andreas Döring

„Ich hatte diese Woche leider wenig Zeit!“ – Ein Plädoyer für das Üben –

4.März.2014

 

Heutzutage wird einem alles erklärt. Gerade in Zeiten von Youtube, Facebook, Twitter und der digitalen Verbreitung von Medien sind Informationen und Erklärungen schnell zu erlangen. Es gibt, so scheint mir, viel mehr Erklärungen als Leute, die es eigentlich wissen wollen. Dabei ist, im Nachhinein betrachtet, der Zweifel, gepaart mit dem  „Wissen-wollen“, der größte Motor für das Lernen.

Als ich angefangen habe mir die Gitarren von Songs herauszuhören war das Medium Cassettenrecorder gerade noch so eben en Vogue. Der lief aber meistens zu schnell oder zu langsam und jeder Musiker weiß, was das für die Tonart bedeutet:

„Ist das gerade noch in A, oder schon Bb?“

„Ist das Riff in A mit Leersaiten, in Bb mit Barreegriffen oder mit dem Capo gespielt?“

„O.K., die ersten 7 Töne habe ich, weiter geht´s…Mist, Bandsalat!“

Mein erster Gitarrenlehrer hat mir sehr viel erklärt, aber nie irgendwelche Riffs, Soli oder gar Songs herausgehört oder gezeigt. Ich habe bei ihm Akkordaufbau, Tonleitern, Modes, Stimmführung  und Gehörbildung gelernt. Was ich spielen können wollte, musste ich selber raushören.

Ich kann mich daran erinnern als 16Jähriger (also vor knapp 10 Jahren) in meinem Zimmer gesessen zu haben mit dem Vorsatz das erste Gitarrensolo von „Rosanna“ lernen zu wollen. Es gibt 2 Soli in dem Song  und das erste schien mir erreichbar. Jetzt für Gitarristen: Es gibt da die eine Stelle, wenn man die  H-Saite bendet (Ganzton) und dahinter noch den kleinen Finger aufsetzen muss für einen zusätzlichen Halbton. Ich wusste wie es geht weil ich einmal das Lehrvideo von Steve Lukather gesehen hatte…einmal!… Wochen vorher.

Was soll ich sagen: Es klang Scheisse! ;-)

Ich hatte keine Ahnung wie Steve Lukather das hinbekommen hat, aber bei mir klang es einfach nicht. Es war immer schief, so oft ich es auch versucht habe. Die Haut an Ring- und kleinem Finger der Greifhand war feuerrot und ich wollte nicht aufgeben. Der Trick, den ich nach Stunden herausbekommen habe, war simpel: Durch das Aufsetzen des kleinen Fingers hinter dem Bending, verliert man den Ringfinger aus den Augen und der Ton sackt ab. Man muss ihn wieder ein Stück  „nachrücken“, oder im Auge behalten. Diese Erkenntnis hat mich 3 Stunden und gekostet und mich fast um mein Erbe gebracht („Geht das da oben jetzt mal etwas leiser?!“).

Zweites Beispiel: Ich wollte unbedingt wissen, wie das Solo von „Senza una Donna“ von Paul Young/Zuccero  ging. Abgesehen davon, dass die Legatotechnik und das Timing so was von auf den Punkt sind, ist es das perfekte Beispiel für ein Solo, das „Song im Song“ ist. Es setzt ein völlig eigenständiges Highlight und passt doch perfekt zu dem Lied. Ich weiß nicht mehr, wer es gespielt hat. Vielleicht weiß es jemand? Zum Raushören ist es allerdings viel zu schnell. Und gerade weil auf der Gitarre der gleiche Ton in der gleichen Oktave mehrfach existiert, muss man bei so komplizierten Nummern den Fingersatz und die Position auf dem Griffbrett herausbekommen, sonst ist es unmöglich zu spielen. Ich habe also meinen Vierspurrekorder angeworfen und das Solo „gedropt“. Hä?  Is `n das? Ganz einfach: Durch Verlangsamen der Bandgeschwindigkeit konnte man die Aufnahme um ungefähr 3 Halbtöne absenken, um (ungefähr!) 3 Halbtöne. Das reichte aber nicht. Ich musste es 3 Mal machen, bis die Töne halbwegs zu erkennen waren. Ab da kann man dann aber auch nur noch raten, weil das  eigentlich gar keine Tonart mehr ist, sondern SETI-Signale aus dem All….die zwischen A und Bb festhängen! Aber am Ende habe ich  alle Töne herausbekommen. Dann hat es allerdings noch Tage gedauert bis ich es zusammenhängend spielen konnte…und Wochen bis ich es auf Tempo hatte.

Das gleiche  gilt für die Soli von:

-Sultans of swing/Dire Straits

- Hotel California/Eagles

- Jump/Van Halen

- Smoke on the water/Deep Purple

- Rose Room/Charlie Christian

-  und viele andere.

Keines dieser Stücke ist leicht herauszuhören oder zu spielen. Man muss sehr oft „zurückspulen“ (Sorry, Cassttenrecorder-Slang)und noch mal hören…und dann noch 20  Mal. Ausprobieren, verwerfen, noch einmal neu denken…sozusagen learning-by-dying…;-)

Also, jetzt mal ernsthaft. Das klingt doch alles ziemlich nerd-mässig. Was ist  so toll daran, sich stundenlang vor eine Aufnahme zu setzen und die ganze Zeit NICHT zu wissen, ob das, was man da raushört, wirklich stimmt?

Antwort: Ich habe, als ich noch wenig Wissen hatte, in diesen Stunden viel mehr über die Gitarre gelernt als ich es mit einem Songbook/Lehrbuch/Youtube-Video jemals hätte lernen können. Über das Try-and- Error Prinzip kommt man ungeplant an Ideen (sogar Songideen) und Wissen, das sich irgendwann (und man weiß nicht wann) ergänzen wird. Diese Zeit ist nie vertan. Jeder Gitarren-/Drum-/Bass-/Triangelheld hat diese endlosen Stunden alleine verbracht (und verbringt sie noch), angetrieben von der Neugier etwas wissen zu wollen und der Idee, wie unglaublich cool dieses Instrument klingen kann.

Was Du auf der Bühne von jemandem siehst, und was Dich fasziniert, ist nur das Ergebnis dieser Zeit.

- „Bei Dir sieht das alles so leicht aus!“ „Danke, Baby, aber Du hättest das mal vor 15 Jahren sehen sollen…“

Ein perfekter Tag beginnt für mich mit 2-3 Stunden Üben auf dem Instrument…und 3 Tassen Kaffee. Ich beschäftige mich dann im Idealfall, wenn ich nicht gerade für ein Projekt üben muss, nur mit Dingen, die ich NICHT kann. Erst das Zweifeln, Überlegen und Tüfteln bringt mich weiter. Das Hochgefühl, das man von Zeit zu Zeit dadurch erlangt, dass man etwas Neues kann/verstanden hat, ist unvergleichlich. Hierfür gibt es keine Abkürzung…oder ich kenne sie nur nicht…;-)

Wenn es zu leicht zu erreichen ist, erweitert es nicht meine Grenzen. Um Weiterzukommen  ist diese Zeit, die man alleine über dem Instrument verbringt unbedingt nötig.

So, jetzt aber Schluss, ich muss noch ein YouTube-Lehrvideo machen…

 

Danke fürs Lesen und bis bald!

Udo

Ausgefallene Show in Dormagen

18.Februar.2014

Leider konnte die angekündigte Show am 14.2. in Dormagen nicht stattfinden. Vor Ort haben sich Probleme ergeben, die nicht zu lösen waren. Sorry an alle, die schon vor Ort waren. Es war wirklich nichts zu machen.

Udo

„Alles was Du genau planst, klappt sowieso nicht…“

12.Januar.2014

- Gitarrenvertretung auf dem Traumschiff –

 

Ich musste eine bisschen überlegen um einen geeigneten Titel für den Blog zu finden, aber der Satz trifft es eigentlich genau. Gesagt hat ihn eine Mitarbeiterin der Reederei Deilmann, die sich mit weltweiter Reiseorganisation wirklich auskennt. Sie sollte Recht behalten…

Aber der Reihe nach:

Im Sommer bekam ich eine Anfrage, ob ich mir vorstellen könnte vertretungsweise  für 10Tage den Job des Gitarren-/Sängers  für das Bordorchester auf der MS Deutschland zu übernehmen. Der feste Gitarrist  hatte eine Verpflichtung in Deutschland und ein Ersatz musste her. Der Trip wäre die Winterreise von Indien über Pukhet  (Thailand) und Malaysia bis nach Singapur. Trotz der Traumroute habe ich mir Bedenkzeit erbeten, denn die 10 Tage lagen genau auf Weihnachten und Sylvester, Abflug: 26.12! Nachdem meine Familie das aber abgenickt („…dann kriegst Du aber kein Geschenk“!) und ich zugesagt hatte, kam der nächste Anruf: „Sag mal kannst Du auch schon am 25.12. anfangen? Am 27. liegt das Schiff an einer Insel an und wenn die stürmische See ist, stehst Du da und kannst nicht drauf.“ Schnell zurückgerechnet…das hiesse dann Heiligabend  10°° Uhr Abflug ab Düsseldorf. O.k., wenn ich sowieso schon nicht da bin…

Ich muss dazu sagen, dass ich schon einmal mit der MS Deutschland eine 2-Wochenreise gemacht habe (Hamburg – Kopenhagen – Stockholm – Helsinki – St. Petersburg). Ich weiß also in etwa, wie der Alltag an Bord ist, wenn man von „Alltag“ überhaupt sprechen kann. Die MS Deutschland ist eigentlich ein Grand Hotel auf dem Wasser, Kategorie: 5 Sterne +. Das Servicepersonal ist bestens ausgebildet, für die Passagiere wird alles ermöglicht und es werden weltweit die schönsten Orte angefahren. Schließlich kostet so eine Reise auch ein paar Euro, dafür erwartet man natürlich auch ein bisschen was. Das heißt aber auch, dass man sich als Musiker den Gepflogenheiten anpassen muss. Es gibt eine gewisse Kleiderordnung, die man beachten sollte und einigermassen normale Umgangsformen sollte man schon haben.

Die Band spielt nahezu täglich. Dazu gehören Galas, Künstlerbegleitungen (Ireen Sheer war da), Pool Partys, Cocktails etcpp. Unterbeschäftigt ist man also nicht, da auch noch Proben und Begleitungen anderer Künstler dazu kommen. Dafür entfällt aber das z.B. Aufbauen und Soundchecken.  Ein (fähiger!) Tontechniker ist an Bord und der Sound ist verlässlich gut.

Da die Reise Anfang Dezember begonnen hatte, war die Band schon ein paar Wochen auf dem Schiff und  ich musste „individuell“ anreisen. Hierin lag dann auch die Herausforderung…

Folgendes war geplant: 24.12. – 10°° Uhr: Abflug Düsseldorf – Zwischenlandung Abu Dhabi – 25.12. 4°° Uhr  Ankunft Chennai (ehemals Madras)/Südindien, Zoll-/Einreiseformalitäten erledigen, vor dem Flughafen einen örtlichen Agenten treffen, der mich zu einem Hotel zum Frühstücken/Zeit überbrücken bringt, 8:30 auf das Schiff, 18:00 Uhr Auslaufen Richtung Port Blair. Ursprünglich war geplant einfach ein Taxi vom Airport zum Hafen zu nehmen und die 2 Stündchen irgendwo zu warten. Auf den Vor-Ort-Agenten bestand die Reederei aber, Grund: Siehe Blogtitel!

Folgendes passierte:

Nach 14 Stunden Flug  komme ich in Chennai an. Indien verlangt für die Einreise ein Visum, das man sich vorher über ein Visa-Büro besorgen muss. Ich lege also meinen Reisepass dem (gelangweilten) Immigrationsbeamten vor und er fragt, was ich in Indien will. Ich radebreche etwas von „Cruiseship“, „Harbour“ und „Musician“ vor mich hin und er fragt nach einem Hotel, wo ich übernachte und der Telefonnummer desselbigen. Ich versuche ihm meine besondere Situation zu erklären und dass ich ja über den Hafen sofort wieder ausreise, in 4 Stunden. Mit Erfolg: Er legt mir meinen Reisepass wieder hin und sagt: „No!“

In meiner aufsteigenden Panik wird mir langsam klar, dass die Uhren hier wohl etwas anders ticken. Plötzlich beginnt neben mir eine Inderin auf den Beamten einzureden (auf Hindi). Nach ca. 10 Minuten Hin-und Her-Diskussion mit ihr (und mir) wirft  mir der Mann den Pass mit einem Kopfschütteln auf den Tresen und nuschelt: „O.K.“…

Danke, unbekannte Inderin!

Draussen vor dem Flughafen (4:30 Uhr, 25°C, 80% Luftfeuchtigkeit) stehen ca. 100 Inder vor dem Ausgang, viele machen Fotos von den Ankommenden. Wer leider nicht da ist, ist der Agent… Das ist ein Dilemma, denn sobald ich versuche durch die Menge auf den Vorplatz zu kommen um ihn zu suchen, werde  ich umschwirrt von „Dienstleistern“: …“where are you from?“… „Hello, Sir! Taxi?“…“How are you today?“…”where do you want to go to?”…”Hello Sir! Sir!!” Keine Chance, kein Durchkommen. Ich gehe zurück, biete einem Jungen, auf dessen T-Shirt “ Aiport Chennai – Staff“ steht, 5 Dollar, wenn er mir den Agenten bringt. Das funktioniert. Der Agent stand weit draußen, das wäre ein Spießrutenlaufen geworden. Er bringt mich dann quer durch Chennai zum Hotel und erklärt mir, dass das Schiff nicht vor 18°° Uhr einlaufen kann. Das Problem ist nämlich, dass man das Hafengelände nicht betreten darf, bevor das Schiff nicht in Sichtweite ist! Ups, jetzt bin ich doch ein bisschen froh, dass ich das nicht alleine geregelt habe, sondern einen Ortskundigen dabei habe.

Soweit die Einreise.

Indien, zumindest der Teil, den ich dann sehen konnte, ist voller Kontraste: Wunderschön, bunt, die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Aber abseits der Hauptstraßen herrscht bittere Armut. Familien leben unter Pappdächern in total verdreckten Hinterhöfen, ich glaube ein funktionierendes Abwassersystem gibt es auch nicht überall. Jeder hat ein „Business“, das er anbietet: Viele Tuk-tuks, die einen fahren wollen („Hello Sir!“), Garküchen,die einheimisches Essen anbieten, gibt es alle paar Meter. Eine Fahrradwerkstatt direkt auf dem Gehweg arbeitet mit Werkzeug, das ich noch nie zuvor gesehen habe.

 

Am Nachmittag holt mich der Agent vom Hotel ab um mich mal eben zum Hafen zu bringen…so dachte ich zumindest. Was dann kommt, ist für einen Westeuropäer allerdings nur noch schwer nachzuvollziehen:

Die Fahrt geht wieder quer durch die Stadt zum Hafeneingang (Schranke mit bewaffneten Soldaten)… wo wir abgewiesen werden. Es fehlt noch ein Papier. In Indien fehlt anscheinend immer ein Papier,  und wenn das Papier nicht fehlt, dann fehlt die Kopie von dem Papier, oder dessen Kopie. Auf jeden Fall müssen wir irgendeinen Beamten treffen, der uns einen Stempel geben soll. Wir fahren los. Die „Behörde“ entpuppt sich als der Parkplatz eines alten Hafengebäudes an einer viel befahrenen Straße. Dort treffe ich (auch in Begleitung eines Agenten) eine Passagierin der MS Deutschland, die auch “individuell“ angereist ist. Sie ist total krank, hat kaum noch Stimme und wahrscheinlich Fieber. Wir warten ca. 1 Stunde bis jemand über den Parkplatz gehastet kommt und uns 2 Stempel auf 2 Papiere drückt. Hurra! Jetzt geht es auf das Schiff! Nicht! ;-)

Denn zurück an der Hafenschranke heißt es erst einmal: Raus aus dem Wagen, Visum/Reisepass kopieren, Unterschrift leisten, reden, warten. Die Dame ist so krank, dass sie aus Versehen hinter meinem Namen unterschreibt. „Na ja“, denke ich, „wird schon nix machen“, und unterschreibe hinter Ihrem Namen…Hauptsache fertig werden. Nach 15 Minuten geht es weiter. 10 Minuten später, wir glauben es kaum, stehen wir tatsächlich vor dem Schiff an der Hafenmole. Mit uns stehen dort an die 10 „Hafenbeamte“. Wer hier das Sagen hat ist, zumindest für mich, völlig unklar (und ich glaube den Agenten auch). Wieder heißt es warten. Das Gepäck muss noch “gescannt“ werden (Warum? Wir reisen aus). Also wird es ausgeladen und irgendwo hingestellt. Nach mittlerweile wieder 20 Minuten und endlosen Diskussionen mit zwei Offizieren der Deutschland, die hinzugekommen sind, machen die das einzig Richtige: Die Dame wird unbemerkt an Bord gebracht…ohne ihr Gepäck, das bleibt stehen. In mir regt sich die vage Hoffnung, dass das Schauspiel  für mich jetzt auch bald vorbei ist, denn incl. Zeitverschiebung bin ich jetzt seit knapp 30 Stunden auf den Beinen. Ich mache schon Erinnerungsfotos mit dem Agenten („Thank you so much for your help!“), da kommt auch schon ein Beamter der Hafenbehörde und eröffnet mir, dass ich noch einmal mit muss. Warum? Richtig: Es fehlt noch ein Papier. Ach nee, ein Stempel! Nein, es fehlt die beglaubigte Kopie eines Stempels…oder so ähnlich.

Ich denke geradedarüber nach Fieber vorzutäuschen,  da geht es auch schon zurück in irgendein Amt. Dort sitze ich eine weitere Stunde, sehe ca. 15 Leuten bei der Arbeit zu und werde nervös, denn in 60 Minuten muss ich auf der „Deutschland“ auf der Bühne stehen. Die erste sms kommt rein („WO BIST DU?“). Ich sitze hier, keine Ahnung warum.

Mittlerweile glaube ich auch das Arbeitsprinzip zu verstehen: Es hat einfach jeder irgend einen Job. Ein abgefertigter Reisepass geht durch 4 Paar Hände, bis er bei einem jungen Mann landet, dessen einzige Aufgabe es ist, das Dokument jemandem zu überreichen, der es in eine Holzkiste legt. Ich beginne darüber nachzudenken, ob es nicht besser wäre die Holzkiste gleich neben den Computer…ach  egal. Als mir dann endlich das finale Dokument zur Unterschrift vorgelegt wird, sehe ich dass es das mit den beiden vertauschten Unterschriften ist. Ich soll nur noch eben die Telefonnummer dahinter schreiben, das wäre es dann gewesen…..

Lieber unbekannter Telekom Kunde, dessen deutsche Festnetznummer ich nonchalant unter dieses Dokument gesetzt habe: Es tut mir leid!!

Die Tour durch Süd Ost Asien danach ist ein Traum. Wir landen tatsächlich NICHT an der indischen Insel, an der ich ursprünglich aufsteigen sollte (puh!). Die Band ist cool und die Stimmung gut. Die Länder sind sensationell und absolut sehenswert. Ein etwas komisches Gefühl ist es am Paton Beach auf Pukhet zu stehen. Dort kam 2006 der Tsunami rein, der so viele Menschen das Leben gekostet hat. Davon sieht man aber nichts mehr. Wenn man etwas erkunden will, nimmt man sich ein Tuk – tuk oder ein Taxi und fährt einfach los. Einzig Singapur hinterlässt ein komisches Gefühl. Zum einen weil dort tatsächlich die Todesstrafe verhängt (und ausgeführt) wird, und zwar u.a. wegen Drogenhandels, auch in kleinsten Mengen und auch gegen Ausländer. Zum anderen weil ich noch in keinem Land so viele Überwachungskameras gesehen habe.

Dass ich auf dem Rückflug in Abu Dhabi in der Lobby des Hotels übernachten muss, obwohl ich alles so schön geplant hatte, fällt unter die Rubrik: „Alles was Du genau planst, klappt sowieso nicht…“

Danke fürs Lesen und bis bald!

Udo

 

 

Verlegung!

25.Oktober.2013

Hallo!

Lange habe ich nichts gepostet, dabei gibt es einiges an Neuigkeiten, aber alles der Reihe nach. Erst einmal: Vielen, vielen Dank an alle, die für uns bei dem WDR 2 Wettbewerb abgestimmt haben! Die Erfahrung seinen eigenen Song im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu hören, das wird in nächster Zeit schwer zu toppen sein. “Silvermoon” ist zwar nicht in die nächste Woche gekommen, aber das macht nichts. Danke auch für die vielen lieben emails, die mich zur Sendung erreicht haben!

 

- Konzertverlegung:

Vielleicht hast Du es schon in den Terminen gesehen. Das Konzert am 16.11. muss von Krefeld nach Viersen verlegt werden. Es hat eine Terminüberschneidung im Jazzkeller gegeben, für die niemand etwas kann, die wir aber zum Glück noch rechtzeitig entdeckt haben. Wir spielen am 16.11. in Viersen bei Tommys Workshop. Karten gibt es an der Abendkasse oder im Vorverkauf bei Tommys Workshop. Das ist ein toll klingender Raum, in dem wir schon einmal gespielt haben. Nur auf die Bestuhlung werden wir dieses Mal, zumindest gröösstenteils, verzichten.

 

- Band:

Für die beiden Konzerte am 15.11. in Neuenkirchen/Vörden und am 16.11. in Viersen wird Ralf vom großartigen Marius Goldhammer vertreten. Marius ist (zurecht) einer meistbeschäftigten Bassisten in Deutschland. Er hat u.a. gespielt für/mit: Chaka Khan, Marla Glen, Joy Denalane, Heinz Rudolf Kunze, Joe Sample u.v.m.. Ich freue mich sehr, dass er für 2 Konzerte den Platz von Ralf übernimmt!

 

- Booking:

Ab sofort wird uns Ivonn Kerlen im Konzert und Tourbooking unterstützen. Sie wird Ansprechpartner für Festivals und für Auslandskonzerte, für Koordination und Promotion. Ab kommender Woche könnt ihr sie unter booking@udo-klopke.de erreichen, wenn Anfragen für ein Konzert bestehen.

 

So, ich denke, das war es erst einmal.

Danke fürs Lesen und bis bald!

Udo

von admin

Neue Homepage

5.Juli.2013

Hallo!

Dies ist die offizielle Homepage von Udo Klopke.

Hier findest Du alle Konzerttermine, Workshops, News und Veröffentlichungen. An einigen Bereichen arbeiten wir noch. Im Shop kannst Du die CDs und die DVD bestellen. Sende uns dazu einfach eine Nachricht. Wichtig: Wie viele möchtest Du und wohin sollen wir sie schicken?

Allerbeste Grüße, Udo